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20.07.20 22:30
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Abschied von Pfarrer Jürgen Drescher in den Ruhestand zum 31. Juli 2020

Ein Rückblick (von Petra Gunkel)

Mehr als 37 Jahre hat Jürgen Drescher das Geschehen zuerst der Ev. Kirchengemeinde Buschhausen, nach der Fusion 2007 dann unserer heutigen Ev. Emmaus-Kirchengemeinde begleitet, mitgestaltet und geprägt. Am 31. Juli 2020 beendet er seinen Pfarrdienst und wird in den Ruhestand versetzt. Dieses Ereignis gibt Anlass zu einem Rückblick.

Jürgen Drescher begann seinen Dienst in der Ev. Kirchengemeinde Buschhausen am 1. April 1983 als „Pastor im Hilfsdienst“,; am 3. Juli 1983 erfolgte die Ordination durch Superintendent Walter Deterding. Der Hilfsdienst dauerte zwei Jahre, in denen ihm die Verwaltung der 2. Pfarrstelle übertragen war. Gegen Ende des Dienstes waren das Presbyterium und Jürgen Drescher sich einig, dass die Zusammenarbeit fortgeführt werden sollte. So wurde Jürgen Drescher am 2. Juni 1985 in die Pfarrstelle eingeführt. Letztendlich war Jürgen Drescher 25 Jahre Pfarrer in Buschhausen. Neben den unmittelbaren pfarrdienstlichen Aufgaben in Verkündigung, Seelsorge und Unterricht oblag ihm die Kinder- und Jugendarbeit. Eine Aufgabe, die dem damals 26-jährigen nah „dran sein“ ließ an seinen jungen Schutzbefohlenen.

Außerdem begleitete er die Partnerschaft mit einer Dorfgemeinde in Brandenburg im Kirchenkreis Fürstenwalde, die sich nach dem Mauerfall 1989 mit wechselseitigen Besuchen noch einige Jahre aufrechterhielt. Diese Begegnungen, so erzählt Jürgen Drescher, ebenso wie das gute Verhältnis zu der katholischen Nachbargemeinde, der man im Jahreslauf in einer Reihe von Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen nahe kam, habe er als sehr bereichernd erlebt.

 „Alles in allem wollte ich dazu beitragen, den Menschen das Leben leichter zu machen und ihr Vertrauen zu Gott stark“, fasst Jürgen Drescher sein Grundanliegen im Blick auf die gesamte Pfarrdienstzeit zusammen.

Jürgen Drescher denkt zurück an viele Begebenheiten und Situationen in dieser Zeit.

Als absolut herausgehoben beschreibt er den „Überfall“ durch das sogenannte Wander-Kirchenasyl. Manche*r Buschhausenerin und Buschhausener mag sich erinnern an das, was Jürgen Drescher erzählt: „Am Sonntag, dem 24. Januar 1999 betraten kurz nach Beginn des Gottesdienstes 33 kurdische Flüchtlinge die Lutherkirche und nahmen ohne irgendwie zu stören Platz. Als ich sie während der Predigt nach ihrem Anliegen fragte, gaben sie eine Erklärung ab, die darauf hinauslief, dass sie vor Abschiebung in die Türkei, wo ihnen Gefahr für Leib und Leben drohe, Schutz suchten.“

Nach dem Gottesdienst klärte sich, dass sie zum „Wander-Kirchenasyl“ gehörten, das von der Kampagne „Kein Mensch ist illegal“ organisiert wurde. Gestartet wurde es mit Kirchengemeinden, die freiwillig Kirchenasyl gewährten. Es entwickelte sich aber eine Sogwirkung, die die Organisatoren überforderte, und so wurde unsere Kirche quasi „besetzt“ wie auch die benachbarte katholische Christ-König-Kirche. Um eine lange Geschichte an dieser Stelle abzukürzen: Die Menschen überzeugten uns. Zwei Familien verblieben in der Ev. Kirchengemeinde Buschhausen, andere wur den von weiteren Gemeinden aufgenommen. In teils jahrelangen Prüfungen und Verhandlungen konnte letztendlich für alle ein Bleiberecht in Deutschland erreicht werden.“

Jürgen Drescher: „Was wir in dieser Zeit an Mobilisierung und Solidarität, an offenen Händen und Herzen in der Gemeinde und im Kirchenkreis erlebten, hätten wir vorher nicht für möglich gehalten. Eine besondere Art von ,Gemeindeaufbau‘, dessen Wirkung noch Jahre spürbar blieb. Predigttext war übrigens 2. Mose 3,1-15. Wenn Gott jemals etwas ,gefügt‘ hat, dann da.“

Ein Jahr nach der Fusion stand 2008 der (Vor-)Ruhestand von Pfarrer Johannes Immer an. Zeitgleich war klar, dass in Buschhausen keine zwei Pfarrstellen bleiben konnten. Ab dem 1. Juni 2008 wurde Jürgen Drescher die Pfarrstelle in Alstaden übertragen und Anfang November bezogen er und seine Familie dann das Pfarrhaus an der Bebelstraße. Jürgen Drescher: „Es hat sich auch hier ,gefügt‘, dass wir nach Alstaden gewechselt sind.“

Auch in diesen Jahren in Alstaden gab es bewegende Situationen und Begegnungen. Jürgen Drescher zählt dazu die sogenannte Gebäudestrukturanalyse, mit den daraus folgenden großen Bau- und Umbaumaßnahmen nebst Verkauf anderer Immobilien, den Weggang der unmittelbaren Kollegin Karin Schwark und die Wiederbesetzung der 1. Pfarrstelle, schließlich auch, zum nicht so guten Schluss, das Coronavirus mit seinen Auswirkungen auch auf die aktuelle Gemeindearbeit.

Jürgen Drescher: „Und zum guten Schluss: die Zusammenarbeit mit dem Ehrenamtlichen- Team im Konfi-Unterricht war mir eine besondere Freude.“

Neben seinem Dienst in der Gemeinde, betätigte sich Jürgen Drescher ab 1992 als Mitglied des Kreis-Diakonieausschusses und wurde 1999 von der Kreissynode zum Kreissynodalbeauftragten für Diakonie und zum Vorsitzenden des Ausschusses berufen. Diese Aufgabe, im Hintergrund für Menschen am Rande der Gesellschaft tätig zu sein, erläutert er, wird mit der kommenden Synode im Juni enden.

Nun noch einige persönliche Worte von Jürgen Drescher: „Ich bedanke mich herzlich bei den vielen, vielen Menschen, die mich im Kolleg*innenkreis, in den Presbyterien, als Hauptamtliche, als Ehrenamtliche, als Gemeindeglieder freundlich aufgenommen und unterstützt und so viele Jahre getragen und ertragen haben.

Was ich mir wünsche ist, dass die Gemeindebereiche weiter zusammenwachsen und zusammenhalten und dass die handelnden Personen weiterhin so konstruktiv und wohlwollend miteinander umgehen und entscheiden, wie ich das in meiner Zeit erlebt habe. Gottes Segen für die wieder einmal schwierig aussehende Zukunft!“

Abschließend mag sich für manch eine*n die Frage stellen, was Jürgen Drescher denn zukünftig anfangen will, ohne „seine“ Gemeinde. Dazu sagt er: „Ich freue mich, nach fast vierzig Dienstjahren Verantwortung abgeben zu dürfen und meine Zeit frei gestalten zu können. Wenn ich etwas Abstand gewonnen habe, werde ich aber sicher gern den einen oder anderen Gottesdienst übernehmen oder mal einen Vortrag halten, wenn es gewünscht ist und Kraft und Gesundheit mitspielen. Außerdem wollen wir öfter und länger reisen.“

Wir dürfen uns also auf ein Wiedersehen freuen und wünschen Jürgen Drescher alles Gute für seinen neuen Lebensabschnitt. Möge Gott ihn und auch seine Ehefrau Petra Schwatlo-Drescher segensreich begleiten und behüten.

Natürlich möchten wir Jürgen Drescher in einem Gottesdienst und bei einem sich anschließenden Empfang verabschieden und ihm unseren Dank aussprechen. Da dies zurzeit wegen der Einschränkungen, die das Coronavirus uns auferlegt, nicht im gebührenden Rahmen möglich ist, haben wir uns darauf verständigt, dass die Verabschiedung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt.

Eine Aufzeichnung des letzten Gottesdienstes, den Pfarrer Drescher vor seinem Ruhestand in einer unserer Kirchen gefeiert hat (am Sonntag, den 19.7. in der Pauluskirche Lirich) finden Sie unter Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.youtube.com/watch?v=m7ZnLbmRDUs.