Die Alstadener Orgel

Versteckt hat man sie, an den Rand gedrängt, in die Ecke gestellt: unsere Orgel, die Königin der Instrumente. Steht in anderen Kirchen die Orgel über der Kanzel, die Musik über dem Wort, so muß unsere Orgel sich mit einer Seitenrolle begnügen. Immerhin darf sie da stehen, wo einst der Altar war und muß der Gemeinde nicht, wie ihre Vorgängerin, die auf einer Empore an der Westwand stand, der Gemeinde in den Rücken fallen.

Unsere Orgel ist eine Ott III/32. Hinter dieser Typenbezeichnung verbirgt sich, daß diese Orgel von der Firma Paul Ott in Göttingen gebaut wurde. Die römische Ziffer gibt die Anzahl der Manuale, der Klaviere an. Die arabische Ziffer bezeichnet die Anzahl der Register, der klingenden Stimmen. Unsere Orgel hat also 32 Pfeifenreihen vom tiefsten bis zum höchsten Ton, verteilt auf drei Manuale und das Pedal. In der Summe ergibt das etwa 2400 Orgelpfeifen.

Wenn Sie sich vor unsere Orgel stellen (oder um die Säule herumschauen), sehen Sie den symmetrischen Aufbau unserer Orgel. Links und rechts stehen die längsten Pfeifen, die für die tiefen Töne zuständig sind, in den Pedaltürmen. Damit das auf beiden Seiten gleich aussieht, hat der Orgelbauer den tiefsten Ton (C) nach links gestellt, den nächsten nach rechts (Cis) und dann immer abwechselnd. Deshalb heißen die beiden Seiten der Orgel „C”- und „Cis”-Seite.

In der Mitte finden sie eigentliche drei kleine Orgeln übereinander, die jede von einem eigenen Manual gespielt wird, deshalb haben wir auch drei Manuale.

Ganz oben, unter der Decke, befindet sich das Oberwerk, das seinen hellen Klang von dort gut in den Raum abgeben kann. Darunter befindet sich das Hauptwerk, das mit seinen kräftigen Stimmen die Basis der Orgel bildet. Wieder eine Etage tiefer, etwas versteckt hinter einem Holzgitter, sitzt das sanft intonierte Schwellwerk. Vor diesem sitzen (bei unserer Orgel leider schlecht sichtbar) bewegliche Holzlamellen (der Schweller), die vom Organisten während des Spiels geöffnet oder geschlossen werden können, somit ist eine stufenlose Regulierung der Lautstärke möglich.

Unsere Orgel hat kräftige Stimmen, die so genannten Prinzipale, sanfte, grundtönige Flötenstimmen, schmetternde Zungenregister wie die Trompete oder die Posaune, aber auch zartere Zungen wie das Fagott oder das Krummhorn und als Klangkrone für jedes Werk eine Mixtur, die jedem Ton mit mehreren hohen Pfeifen eine strahlende Obertonmischung mitgibt.

Gebaut wurde unsere Orgel 1971, nach dem Umbau der Kirche. Die meisten Teile einer Orgel, die Pfeifen, die Mechanik, die die Tasten und Pedale mit den Ventilen unter den Pfeifen verbindet und das Gehäuse sind von Hand gefertigt.

2004 ging unserer Orgel die Luft aus. Diverse Lederbälge und Dichtungen, die schwarz vom Kohlestaub vergangener Zeiten waren, hatten Risse bekommen. Die Orgelbaufirma Bartelt Immer aus Norden/Ostfriesland nahm sich unserer Orgel an und reinigte, reparierte und intonierte sie. So erklingt sie jetzt noch strahlender als zu ihrer Einweihung.

Christian Pollmann

Disposition

Pedal
1. Kornett 4'
2. Posaune 16'
3. Rauschpfeife 4f
4. Choralbaß 4'
5. Kammerbaß 8'
6. Offenbaß 8'
7. Subbaß 16'

HW
8. Quintade 16'
9. Prinzipal 8'
10. Rohrgedackt 8'
11. Oktave 4'
12. Quinte 2 2/3'
13. Spillflöte 2'
14. Mixtur 6-7f
15. Trompete 8'

SW
16. Holzflöte 8'
17. Prinzipal 4'
18. Nachthorn 4'
19. Oktave 2'
20. Sesquialter 2f
21. Sifflet 1'
22. Mixtur 5f
23. Fagott 16'
24. Rohrschalmei 8'
25. Tremulant

OW
26. Gedakt 8'
27. Praestant 4'
28. Rohrflöte 4'
29. Oktave 2'
30. Quinte 1 1/3'
31. Septime 1 1/7'
32. Scharf 3f
33. Krummhorn 8'
34. Tremulant

Koppeln: OW/HW, SW/HW, SW/P, HW/P mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur, 64 Setzer

Erbauer: Ott, 1971